
22.April 2008
Ein Einwohner kommt mit der Zeitung aufgeregt in die Gemeindevertretersitzung und weist auf einen Artikel hin, der Gemeinden in M-V unter 3000 Einwohnern aufruft, sich für das Projekt “Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst” zu bewerben. Die Gemeindevertretung beschließt daraufhin, sich zu beteiligen.
Gemeinsam mit dem Kulturförderverein Lelkendorf wird die Bewerbung formuliert. Im Bewerbungsschreiben werden die Gemeinde und der Ort Lelkendorf vorgestellt sowie Visionen für die Teilnahme am Projekt entwickelt.
Juni 2008
Die Gemeinde Lelkendorf erhält die Mitteilung, dass sie neben Ferdinandshof und Grambow bei Schwerin für das Projekt ausgewählt wurde.

Juli 2008
Vertreter des Stiftungsrates kommen nach Lelkendorf, um sich die Gegebenheiten und notwendigen Voraussetzungen vor Ort anzusehen. Lelkendorf zeigt sich von seiner besten Seite.
September 2008
Die Ausschreibung für Künstler, die an diesem Projekt Interesse haben, erscheint. Der Berliner Künstler Rolf Wicker ist unter den Bewerbern.

Dezember 2008
In der Landesvertretung M-V in Berlin treffen die Vertreter der drei Gemeinden mit den sechs ausgewählten Künstlern zusammen. Die Gemeinde Lelkendorf entscheidet sich für Rolf Wicker.
15.Januar 2009
Offizielle Eröffnung des Projektes in der Landesvertretung M-V.

26. Januar 2009
Antrittsbesuch von Rolf Wicker in Lelkendorf. Bei Eintreffen des Künstlers hüllt sich Lelkendorf in dichten Nebel.(”Jetzt freuen wir uns, dass wir den Künstler bei uns haben und dann wollen wir mal sehen, wie das weiter geht mit dieser Problematik”).
4. Februar 2009
Rolf Wicker bezieht Quartier in einer Ecke des ehemaligen KfL-Geländes. (Kreisbetrieb für Landtechnik, heute: Kulturförderverein Lelkendorf).
18. Februar 2009
Woher nehmen und nicht stehlen? Der Bauer Schulte-Ebbert bringt Holz für Atelier und Veranstaltungsraum. Es wird doch noch warm.

20. Februar 2009
Unter großer Anteilnahme der Dorfbevölkerung findet die Auftaktveranstaltung statt. Die Dorfbevölkerung wird in vielen Reden sensibel auf den Künstler vorbereitet. Dieser stellt sich und seine bisherige Arbeit anschließend vor. Seine Fotos vom Dorf zeigen überraschende Details aus dem Lelkendorfer Alltag und belegen auf einfache Art und Weise, wie nahe Kunst und Alltag beieinander liegen. (Zitat Zwischenruf: “Mensch Uschi, das ist doch Dein Schuppen!”). An diesem Abend wurde die Idee der Essenspatenschaften vorgestellt. Spontan und freiwillig melden sich sieben Bürger (Bürgermeister: “Wer lädt den Herrn Wicker noch zum Essen ein? Los, hoch mit den Fingern!”)
Streifzüge des Künstlers im Dorf sind ab sofort nicht mehr unerkannt möglich (”Sie sind doch der Künstler hier?”).

13. März 2009
Die TEMPORÄRE KUNSTHALLE LELKENDORF wird in einer riesigen Transportkiste angeliefert und wird in Lelkendorf-Mitte gestellt. Absender ist der Künstler Pfelder, der vom Direktor der Kunsthalle, Rolf Wicker, zu diesem Projekt eingeladen wurde.
28. März 2009
In einer spektakulären Aktion wird von der Freiwilligen Feuerwehr Lelkendorf die Transportkiste geöffnet. Über vierhundert neugierige Augen verfolgen in strömendem Regen das Ereignis. Die erste Ausstellung der Kunsthalle zeigt den Stuttgarter Künstler Rainer Ecke mit seiner Arbeit “Luftballons”. Pfelder und Rainer Ecke geben im “Roten Salon” des Kulturfördervereins einen Überblick über ihre bisherigen Arbeiten.


12. April 2009, Ostern
Rolf Wicker kann sich beim traditionellen Ostereiertrünneln (-trudeln) im Lelkendorfer Wald im Mittelfeld behaupten.
Inzwischen ist er ein beliebter Mitesser. Die Idee mit den Essenspatenschaften schlägt an.
April 2009
Erste Stimmen werden laut, die nach einer Dokumentation über die Aktivitäten in der Kunsthalle fragen. Um die Drucklegung einer solchen Broschüre zu finanzieren, bilden sich die “Freunde der TEMPORÄREN KUNSTHALLE LELKENDORF”. Sie verkaufen eigene Buttons und schaffen durch den Erlös den Grundstock für die geplante Publikation. Jedem Käufer wird ein Gratisexemplar garantiert.
18. April 2009
Erste Begegnung des Dorfes mit der Kunstform der Performance. Jörg Schlinke führt seine Performance “Scheit” vor, präsentiert sie anschließend als Videoinstallation in der Kunsthalle. Seine stille Arbeit löst kontroverse Diskussionen aus (Zitate Publikum: “Wie liebevoll der den Leim auf das Holz aufträgt, – das war ja eher ein Streicheln” aber auch: “Was soll das mit dem Holzhacken, das mach ich jeden Tag!”).

30. Mai 2009
Katja Pudor bezaubert mit ihrer Ausstellung “degrees of frost” selbst Skeptiker (Zitat: “Bisher hat mir das ja nicht gefallen, aber das, das ist wunderschön. Das ist Kunst!”).
11.Juli 2009
Auf Bitte der Künstlerin Leni Hoffmann werden für die nächste Ausstellung in der Kunsthalle vom Bürgermeister 5 Mopeds aus dem Dorf requiriert.

Die Arbeit am Blog muss beendet werden. Die Essenspatenschaft ruft.
Stand: 12. Juli 2009, 11,25 Uhr. Klöpse, Kartoffeln, Gemüse und Pudding.

19. Juli 2009
Leni Hoffmann zu Besuch in Lelkendorf. Ihre Ausstellung “lilt” in der TKL wird eröffnet, über 80 Zuschauer wollen die “wilden Tiere” in der Kunsthalle sehen. Dank an alle Tierhalter, die ihre Lieblinge zur Verfügung gestellt haben. Der Rote Salon ist brechend voll, als Leni Hoffmann ihre Arbeiten vorstellt und sich die ganze Runde in eine rege Diskussion über die Relevanz von Kunst in der Gesellschaft verstrickt.


Juli 2009
Der Bretterstapel für Matthäus Thoma liegt bereit. Ab 2. August wird er vor Ort die nächste Ausstellung in der TKL aufbauen, Titel der Ausstellung:
“Ich wär´so gern in Nelkendorf”.

5. August 2009
Der Deutschlandfunk hat sich angekündigt und wird in der Zeit von 10.10 Uhr bis 11.30 Uhr live aus Lelkendorf über das Projekt “Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst” berichten. Alle Einwohner Lelkendorfs und alle Interessenten, die gerne bei der Diskussionssendung dabei sein möchten, sind herzlich eingeladen (KfL – Halle). In Lelkendorf ist der Deutschlandfunk auf folgenden Frequenzen zu empfangen:
UkW: 89,8 und 106,0
Langwelle: 153


8. August 2009
Vorbeifahrende Autos fahren langsam, stoppen oder kommen zurück. Halb Lelkendorf schüttelt den Kopf. Ein großes Gebilde aus Brettern und Latten klebt an der Kunsthalle und ist weithin sichtbar. Die Ausstellung von Matthäus Thoma “Ich wär so gern in Nelkendorf” wird eröffnet. Zitat einer Lelkendorferin vor der Eröffnung: “Das hätte ich auch hingekriegt!”


Nach der Einführungsrede des Kunsthallendirektors wirkt die Lelkendorferin nachdenklich. Ob sie es wirklich auch so hinbekommen hätte? Trotz Ferienzeit und Badewetter kommen über 40 Besucher und nehmen anschließend die Gelegenheit wahr, weitere Arbeiten von Matthäus Thoma im Roten Salon zusehen und mit ihm zu sprechen.


Direktor, Bürgermeister und Künstler freuen sich auf das nächste und letzte Highlight der TEMPORÄREN KUNSTHALLE LELKENDORF:
Am 12. September wird Jan Philip Scheibe (Hamburg) eine Installation zum Ende der Kunsthalle vorstellen.

11. August 2009
So macht das blog -Schreiben keinen Spass. Der Künstler braucht mal wieder eine Essenseinladung aus dem Dorf. Kalte Fischstäbchen und kalter Reis sind auf Dauer ganz schlecht für´s Gemüt.
08. September 2009
Kunsttransport. Lelkendorf bekommt von Rolf Wicker 4 Beobachtungsstände, die gut getarnt an verschiedenen Orten im Dorf aufgestellt werden. Im Inneren der Stände liegen verschiedene Bücher aus. Darin sind (anonyme) Aussagen und Zitate der Einwohner von Lelkendorf über das Dorfleben, über früher und heute, über Arbeit und Kunst, Gott und die Welt zu lesen. Fotos des Künstlers aus dem letzten halben Jahr in Lelkendorf begleiten die Fülle der gesammelten Zitate.


Zitat eines Anwohners: “Wir haben hier eine neue Garage, die wurde in einem Tag von sieben Maurern erbaut!”

Gleich auf dem Heimweg begegnen den Arbeitern/dem Künstler zwei Lelkendorfer Damen: “Wir gehen nochmal los, ich habe vorhin meine Lesebrille vergessen, aber jetzt habe ich sie dabei!”.

Die Aufstellung spricht sich herum, die ersten Neugierigen sind unterwegs, die Volkssolidarität will sogar gemeinsam alle Stände besichtigen.
11. September 2009
08.30 Uhr
Jan Philip Scheibe hat seine Installation “Einschlag” für das Ende der Kunsthalle gut vorbereitet. Der Blitz kann auf das Dach der Temporären Kunsthalle gesetzt werden, die Luftakrobatik beginnt. Sigmund Voss bringt mit schwerem Gerät die Stange sensibel in die vorbereitete Halterung.

12.00 Uhr
Letzte Essenspatenschaft beim Bürgermeister. Rolf Wicker und Jan Philip Scheibe werden mit gefülltem Braten, Kartoffeln, Pilzsoße und Gemüse gefüttert, die weichen Kniee von der Aufbaunummer im Schlossweg stabilisieren sich. Dennoch ist die Pause kurz: die Verkabelung der Licht- und Soundtechnik ruft. Ein neuer Mitarbeiter für Elektrotechnik wird rekrutiert.
12.September 2009
10.22 Uhr

Der Countdown läuft. Das gemütliche Frühstück im Atelier beginnt. Die Künstlerkollegen sind teilweise wieder angereist. Der Sohn eines Künstlers und der Hund des Bürgermeisters sind schon alte Freunde und warten gespannt auf das Dorffoto.

17.42 Uhr
Der Abteilungsleiter “Fotografie und Dokumentation” der TKL, Thomas Draeger, treibt die Dorfbevölkerung in die gewünschte Position. Vier Jahre nach dem ersten Foto entsteht ein aktuelles Bild mit vielen Einwohnern Lelkendorfs.

18.45 Uhr
Bürgermeister Eggo Habelt verabschiedet den Künstler Rolf W. und entbindet ihn von seinen Pflichten als Direktor der Temporären Kunsthalle.

Der scheidende Direktor begrüßt den Künstler Jan Philip Scheibe, hält auch am letzten Tag seine Einführungsrede zum Werk Scheibes und bedankt sich für die tolle Mitarbeit des Dorfes und für das Engagement seiner Künstlerkollegen bei den Projekten in und mit der Kunsthalle Lelkendorf.

Rolf Wicker erhält von den Freunden der TKL eine Erste-Hilfe-Kiste mit allerlei nützlichen Dingen für das weitere Überleben auf dem Lande (mit Notfallnummern!) nach dem Projekt. Der hundertste Freund der TKL, wird feierlich begrüßt und bekommt von der Vorsitzenden, Frau Karin Schacht, ein Essen für zwei Personen (Riesenzucchini) incl. Kerzenschein und Kochrezept überreicht. Das Dorffest kann endlich beginnen, Bier fließt.
20.06 Uhr

Donnergrollen und Blitzeinschlag in Lelkendorf. Die entsetzte Bevölkerung muss fassungslos mit ansehen, wie Naturgewalten die Temporäre Kunsthalle Lelkendorf zerstören. Die Sirene des Dorfes gibt Feueralarm, die Freiwillige Feuerwehr Lelkendorf rückt aus und sperrt das Gebäude großräumig ab.

Eine Person (Jan Philip Scheibe) wird vermisst, heftige Rauchentwicklung behindert die Bergung des Künstlers aus der getroffenen TKL.

Kaum wieder bei Besinnung, schreit er, auf der Rettungsdecke liegend: “Lasst mich hier liegen, aber holt das Bier raus, – da ist noch Bier drin!”. Tatsächlich, Dank dem Hinweis kann noch ein Fass Freibier gerettet und ausgeschenkt werden!

13. September 2009
03.30 Uhr. Die letzten Besucher des Dorffestes zum Abschluss des Projektes “Kunst für Lelkendorf – Lelkendorf für Kunst” verlassen langsam den Festplatz.
Eine schöne (und anstrengende!) Zeit ist zu Ende.
Was bleibt, ist die Erinnerung an den Künstler Rolf Wicker und seine Arbeit, an einen Menschen, der sichtlich das Dorf und seine Einwohner geprägt hat.

Die Gemeinde Lelkendorf und der Künstler Rolf Wicker bedanken sich bei:
der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft, der kuratorischen Begleitung, den ausstellenden Künstlern in der TKL, dem Kulturförderverein Lelkendorf e.V., den Freunden und Mitarbeitern der Temporären Kunsthalle Lelkendorf, den Einwohnern Lelkendorfs für die Essenspatenschaften, den Gemeindearbeitern und weiteren freiwilligen Helfern, der Freiwilligen Feuerwehr Lelkendorf, dem Bauern Schulte-Ebbert, dem Künstlerhotel Ören und der Bierstube Köhne, sowie bei allen anderen, die bei dieser Aufzählung im Dunkeln blieben.

Impressionen aus Lelkendorf:

Bau auf, bau auf!

Alte Schule, heute Heimatstube und Jugendklub

Imbiss und Tante-Emma-Laden im Peeneweg

Schloss Lelkendorf

Kita und betreutes Wohnen

Thing-Halle

Eingang zum Haustierpark

Spielplatz

Koi-Tempel

Sonnenuntergang, Blick in die Hauptwindrichtung
Weitere Informationen über Lelkendorf finden Sie:
http://www.kunsthalle-lelkendorf.de/
www.amt-mecklenburgische-schweiz.de/_pages/lelkendorf/index.html
http://www.orte-in-mv.de/Ort/109_Lelkendorf/
http://www.kulturgut-proregio.eu/
http://www.haustierpark-lelkendorf.de/