Kunstprojekt 2009 in Ferdinandshof 

Bildergeschichten und viel versilbertes Holz 

In ihrer Künstlerbiografie führt Leni Hoffmann eine lange Liste mit Preisen, Stipendien, Ausstellungen auf. In Ferdinandshof zeigte sie mehrere großformatige Fotos am Postplatz und an der Bushaltestelle vor der örtlichen Grundschule, die den Ort in Beziehung stellten zu anderen Orten auf der Welt. Die Künstlerin nannte diese Aktion „kort un wiet“ - nah und fern.

"Simson" von Leni Hoffmann
Leni Hoffmann, „Simson“, Aluminium, Eiche, Kiefer, Fichte, Sand, Gutsgelände

 

Zum Abschluss ihres Arbeitsaufenthaltes realisierte Leni Hoffmann die Kunstprojekte „simson“ (Aluminium, Eiche, Kiefer, Fichte, Sand) und „lakritze“, drei runde Gebilde aus Steinzeug in den Farben türkis, weiß und dunkelblau, die Hoffmann in den Asphalt der Straße der Freundschaft eingelassen hat.

Simson ist ein fast zwei Meter hoher Holzstapel auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofes, der mit heißem Aluminium überzogen wurde. Dazu hatte Hoffmann mit den Mitarbeitern des gemeindeeigenen Bauhofes Eichen-, Fichten- und Kiefernstämme aus dem Wald geholt und übereinander schichten lassen. In einem technisch aufwendigen Ablauf wurde das auf 700 Grad erhitzte, flüssige Aluminium als silbrig glänzende Masse über den Stapel geschüttet. Die notwendige Hilfe durch die örtlichen Handwerker und die Freiwillige Feuerwehr erweiterte die Komplexität der künstlerischen Arbeit.

Leni Hoffmann, Foto, Bushäuschen vor der Grundschule
Leni Hoffmann, Foto, Bushäuschen vor der Grundschule

 

Als der Aluminiummantel über dem Holz erstarrte, gehörte der künstlerische Vorgang bereits der Vergangenheit an. Seit dem Erkalten zeigt sich ein Überguss, der durch eine Vielzahl von Tropfen, Spritzern und Lachen zufällige Formen offenbart und die wechselnden Farben und Bewegungen des Ortes und des Himmels widerspiegelt. Das Kunstwerk entsteht im Zusammenspiel mit seiner Umgebung und im Kopf des Betrachters.


Und das hat Methode. „Der Betrachter wird zum Mitschöpfer“, erklärt die Professorin der Karlsruher Kunstakademie. Leni Hoffmann nennt dies den „Schmetterlingseffekt“ und meint damit, dass sich im zeitlichen Verlauf völlig andere Entwicklungen ergeben können. Über Ferdinandshof sagt sie: „Die Unterschiedlichkeit der Ortsteile ist immens, sie scheinen fast wie Dörfer im Dorf. Überraschend waren für mich die extreme Flachheit des Landes, das Fehlen einer multikulturellen Gesellschaft und die damit verbundene Lebensqualität - Musik, Restaurants, Vielfalt auf der Straße.“

Was erhofft sich Leni Hoffmann von dem Projekt? „Ich hoffe, mit meinen Arbeiten eine Neugierde nach dem Anderen im öffentlichen Raum ausgelöst zu haben.“ Sicher ist, dass der Aufenthalt der Künstlerin in Ferdinandshof für Gesprächsstoff und Aufregung gesorgt hat und noch lange die Gemüter dort bewegen wird.