Kunstprojekt 2009 in Grambow

Ein Leitsystem zum Neuen Dorf

„Was müsste sich verändern?“ fragte die Reinigungsgesellschaft (Martin Keil und Henrik Mayer) die Grambower im März 2009 und verteilte dazu an alle Haushalte im Ort einen Fragebogen. Einen Monat später lagen die Ergebnisse vor. Daraus entwickelten die Dresdner ein „Leitsystem zum Neuen - Grambow 2057“, das die Ideen und Vorschläge für ein besseres Landleben in farbenfrohen Piktogrammen bildhaft macht und von Grambow im Jahr 2057 spricht, wenn der Ort 700 Jahre alt wird. Auf zwölf Verkehrsschildern aus verzinktem Stahlblech - befestigt an sechs unterschiedlich hohen Stangen - geht es unter anderem um Klimawandel, die demographische Entwicklung, Arbeitsplätze, eine altersgerechte Infrastruktur und den Schutz kommunaler Souveränität. Die Reinigungsgesellschaft vertraut so sehr der Kraft der Bilder, dass die Schilder die höchste Reflexionsklasse besitzen, die nur bei Verkehrsleitsystemen auf den Autobahnen zu finden ist. Und sie vertrauen auf die Kraft der symbolischen Kommunikation, mit der gesellschaftliche Themen sichtbar und verhandelbar gemacht werden sollen.
 

Reinigungsgesellschaft, Leitsystem zum Neuen, Bushaltestelle Grambow
Reinigungsgesellschaft, Leitsystem zum Neuen, Bushaltestelle Grambow

 

Martin Keil und Henrik Mayer haben von ihrem Landaufenthalt viele Eindrücke mitgenommen, die in künftige Projekte der Reinigungsgesellschaft fließen werden. Sie erinnern sich, wie sie sich ganz am Anfang, es war der 2. Februar, fühlten, als sie zum allerersten Mal in Grambow eintrafen: „Beim ersten Rundgang im Ort geht es vorbei an kärglichen Hofwirtschaften und der verwaisten Bushaltestelle zum Gut Grambow. Auf dem Gelände des ehemaligen Landwirtschaftsbetriebes gibt es eine Jagdschule. Dort kann man sich z. B. zur Teilnahme an einer Großwildjagd in Afrika qualifizieren. Auf dem Gutsgelände steht auch ein Rinderstall mit ca. 400 Kühen und ein verfallendes Schloss. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist ein Discount-Markt im Nachbarort, erreichbar mit dem Auto. Wollen die Leute gar nicht im eigenen Ort einkaufen?“

 

 

Reinigungsgesellschaft, Grambow im Jahr 2057 / Zukunftsvision, Fotomontage (150 x 100 cm, hinter Glas)
Reiningungsgesellschaft, Grambow im Jahr 2057 / Zukunftsvision, Fotomontage (150 x 100 cm, hinter Glas)


Immer wieder wurden die beiden Künstler gefragt, was für ein Kunstwerk es denn nun werden würde. Die Grambower wollten vor allem „nichts Rostiges“ im Dorf. Es ist ein „Leitsystem zum Neuen“ geworden, das neben der Bushaltestelle des Ortes steht und für viele Diskussionen sorgt. Ein Ruck sei durch die Gemeinde gegangen, sagt Bürgermeister Herbert Piotrowski, der dazu geführt hat, dass es heute eine Gemeindezeitung („Der Moorbote“) gibt und darüber gesprochen wird, einen Dorfladen zu eröffnen.