Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst 2009:
Feierlicher Abschluss in Berlin

Dr. Helmut Born, Vorstand der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft
Dr. Helmut Born, Prof. Dr. Friedhelm Farthmann (v.l.), beide Vorstand der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft

Helmut Born würdigt das Engagement aller Beteiligten - Auszüge aus seiner Rede -

„Kann Kunst die Landflucht stoppen? Das hat sich der Deutschlandfunk gefragt, als er im August anderthalb Stunden über das Projekt „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“ berichtet hat. Können mit Hilfe der Kunst gar neue Arbeitsplätze entstehen und die Menschen in ihren Orten gehalten werden? Das wohl nicht.

 

Aber: „Die Kunst war ein Faszinosum, dem sich keiner entziehen konnte“, schreibt der  Feuilleton-Chef der Welt, Eckard Fuhr. Das  Kunstprojekt der Deutschen Stiftung Kulturlandschaft hat begeistert, die Dorfbewohner, die Künstler, die Medien. Es war ein großer Erfolg.

 

Wir wollen heute das Ergebnis des ersten Durchganges unseres Kunstprojektes anschauen und besprechen. An dem Projekt in Mecklenburg-Vorpommern haben 3 Dörfer und 4 Künstler teilgenommen. Wir haben Mecklenburg-Vorpommern für den ersten Durchgang ausgewählt, weil es durch den ländlichen Raum in besonderer Weise geprägt ist – und den berüchtigten Demografiefaktor voll zu spüren bekommt.

  

Für die Stiftung war es ein Experiment  mit offenem Ausgang. Heute können wir sagen: Das Experiment ist gelungen. Persönlich haben Künstler und Dorfbewohner von dem Projekt profitiert. Und die Menschen in den drei Dörfern werden weitermachen. Erste Ideen wurden bereits umgesetzt. Lelkendorf wird weiterhin Künstler ins Dorf holen, und in Grambow gibt es heute eine Gemeindezeitung - den Moorboten -, ein Dorfladen ist in Planung. Ein Ruck sei durch die Gemeinde  gegangen, sagt der Bürgermeister von Grambow, wenn er von dem Projekt spricht. Und Ferdinandshof fühlt sich mit echter Hoffmann-Kunst an Peking, Paris und Köln herangerückt.

 

Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, Kunst macht sichtbar, sagt Paul Klee. Ebendieses ist in den drei Dörfern geschehen. Sichtbar wurden 3 Dinge: 

 

1. Wie viel Motivation und Selbstbewusstsein in den Dörfern vorhanden sind, trotz der bekannten Zukunftsprobleme. „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“ hat den Dörfern den Rücken gestärkt und den Dorfbewohnern dabei geholfen, neue Erfahrungen zu machen und neue Fragen zu stellen, um ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

2. Wie wichtig Provokation in diesem Zusammenhang ist. Kunst hat provoziert. Die Künstler haben unter den Augen der Dorfbevölkerung ihr Werk geschaffen, worüber man mit dem Künstler reden und streiten konnte.

3. Wie lebendig und aktuell diese Kunst ist. Bei diesem Projekt ging es nicht um den Verkaufswert, um Verkäuflichkeit, sondern um die Wirkung des Kunstwerks auf die Dorfbewohner und umgekehrt.

 

Die Provinz ist nicht öde und eng. Das Land hat eine Weite, die auch Künstler beflügeln kann. So beflügeln kann, das einer der Künstler gleich da geblieben ist und seine Kunst jetzt in Küsserow in Mecklenburg-Vorpommern macht und nicht mehr in Berlin.“